Jahresrückblick 2025

Liebe Pilzfreunde,

das Jahr neigt sich dem Ende zu und mit Dankbarkeit und Freude blicken wir zurück auf die schönen Seminarabende und Exkursionen, die wir gemeinsam erleben durften. Bei unserem ersten Seminarabend im Januar bewegten uns Prüfungsfragen und schnell wurde klar, wie umfangreich das Hintergrundwissen sein muss, um den Stellenwert und Tiefe der Fragen wirklich zu verstehen. In Erinnerung blieb aber auch das herrliche Essen…

Wegen eisigem Wetter und reichlich Schnee, mussten wir die Exkursion um eine Woche verschieben. Am 25. Januar trafen wir uns mit 15 Teilnehmenden am Friedrichswald. Angekündigt war heftiger Regen und Wind und gerade, als wir die Exkursion begannen, wurde es trocken und windstill. Die noch matschigen Wege waren gut zu ertragen, und belohnt wurden wir – dank der fleißigen Sucher – mit vielen interessanten Arten, Besonders waren die „Großporige Tramete“, der Ohrlöffelmuscheling, Winterhelmling, Braunfaserige Filzgewebe und der gesäte Kohlenkugelpilz. Die Fundliste wurde dem Forstamt zur Verfügung gestellt. Zum Abschluss gab es noch Berliner der Geburtstagskinder.

Im Februar trafen wir uns online und widmeten uns den Schleimpilzen. Es gab ein reges Interesse an diesen pilzähnlichen Organismen, die uns Robert mit ihrem Lebenszyklus und Systematik vorgestellte und häufige Arten im Bild zeigte. Eigentlich sind es ja Einzeller, die in den merkwürdigsten Erscheinungen bei uns vorkommen. Am 22. Februar führte uns die Exkursion in den Wald nahe des Forschungszentrums Jülich. Nach Wochen geprägt von eisigem Frost, traf sich eine sehr interessierte Gruppe bei lauen 12 Grad. Zu Gesicht bekamen wir einen seltenen Zungenporling, den farbenfrohen Prachtbecherling, den gezonten Holzkohlenpilz und den tödlich giftigen Zimtfarbenen Weichporling, der neben seiner Giftigkeit bestens zum Färben geeignet ist. In Erinnerung sind auch die schönen Gespräche geblieben, die auch mal gerne das Feld der Pilzkunde verließen.

Im März gab es keinen Seminarabend, sondern die Mitgliederversammlung des Vereins. Der Vorstand wurde bestätigt, und frohgemut durften wir uns wieder den Pilzen widmen. Zur Exkursion trafen wir uns in Schmithof. Der wunderschöne Weg entlang der Inde, bescherte uns 33 Arten. Mit dabei war der seltene safranfarbene Weichporling. Wie der zimtfarbene Weichporling wird auch er mit KOH violett. Besonders war auch, dass uns vier Hunde begleiteten, die viel Aufmerksamkeit forderten.

Im April konnte nach langer Vorbereitungszeit endlich das Färben mit den Hautköpfen in Angriff genommen werden. In kleiner Runde, begleitet von Elke, wurden die über Jahre gesammelten und getrockneten Fruchtköper verwertet, und es entstanden wunderschöne gefärbte Tücher und Wollstränge. Die Wolle wurde kurze Zeit später in Monschau ausgestellt und der Öffentlichkeit gezeigt. Es war ein großartiges Event, und einiges wurde in diesem Jahr schon gesammelt.

Aus aktuellem Anlass widmete sich der Seminarabend zum wiederholten Male den Giftpilzen. Dieses Mahl unter besonderer Berücksichtigung von Morcheln. Morcheln sind einerseits gesuchte Speisepilze, andererseits sind mehrere tödliche Vergiftungen bekannt geworden, die es zu besprechen und zu verstehen galt. Es war interessant zu erfahren, wie schwierig und aufwändig es sich darstellt, meist nur anekdotisch beschriebene Vergiftungen richtig zu bewerten.

Bei herrlichem Wetter trafen wir uns am Ostermontag zur Exkursion in der Teverner Heide. 30 Arten konnten wir finden, und zur Feier des Tages wurde auch ein kleines Pilzspiel aufgeführt… Wie wichtig eine Nachbestimmung ist, wurde bei dieser Exkursion deutlich: Das gefundene Graublatt entpuppte sich bei der Nachbearbeitung als Rötling. Zum ersten Mal kam auch der von Susanne zur Verfügung gestellte Tisch zum Einsatz: Endlich konnten die gesammelten Pilze abschließend gemeinsam betrachtet und erklärt werden. Ach ja, … wer erinnert noch den Birkenkporlingpolsterkugelpilz?

Die riesige Gattung der Schleierlinge war das Thema des Seminarabends im Mai. Mit vielen Tafeln versuchte Robert, uns diese Gattung mit über 800 Arten nahe zu bringen und sie mundgerecht in Untergattungen zu gliedern. Es wird wohl eine Wiederholung geben, da das Feld einfach riesig ist.

Der Regen blieb aus, und ein Pilzaufkommen war kaum noch vorhanden. Daher war es die schöne Landschaft, die uns für die Exkursion in die Drover Heide führte. Stattliche 26 Arten konnten aber gefunden werden, auch wenn es oft nur noch Pilzfragmente waren. Da das Pilzaufkommen so gering war, und Pilze mit Hut und Stiel weitgehend fehlten, fiel der Fokus auf Schmetterlinge, Käfer und Pflanzen und nicht zuletzt auf die phytopathogenen Kleinpilze. Diese Gruppe der Ständerpilze zeichnet sich durch einen komplizierten Wirtswechsel aus, und ihre parasitische Lebensweise ist von großer Bedeutung für die Pflanzenwelt. Es war bald 17 Uhr als wir uns trennten.

Der Juni bescherte uns einen Vortrag über die Mykorrhiza. Diese Symbiose zwischen den funktionalen Wurzeln der Pflanzen und den Pilzen ist nicht nur für den Naturhaushalt von riesiger Bedeutung, da über 90% der Pflanzen solch eine Verbindung eingehen, sondern auch ein ganz wichtiges Bestimmungskriterium. Bei vielen bestimmungskritischen Gruppen ist das Wissen um den Baumpartner notwendig, und der Speisepilzsammler tut gut daran, die jeweiligen Partner zu kennen.

Bei über 30 Grad führte uns die Exkursion im Juni zum Schlangenberg. Mit wenig Erwartungen und einigen Wassersflaschen bewaffnet, ging es den teils steilen Weg hoch und schnell in den etwas schattigeren Wald. Sehr interessant war der Schwarzrost, den wir auf den Berberitzen fanden. Schwarzrost ist ein Parasit, der auf zwei Wirten fünf verschiedene geschlechtliche und ungeschlechtliche Sporen bzw. Sporenlager ausbildet. Erst 1865 wurde der Kreislauf herausgefunden. Da Schwarzrost erhebliche Schäden auf Getreide verursacht, verschwanden Berberitzen aus der Landschaft. Insgesamt wurden auf der Exkursion 19 Pilzarten gefunden, darunter ein Fransiger Wulstling, ein Goldröhrling und eine Flockenehexe.

Die Trockenheit dauerte im Juli an, und die Schulferien begannen. Wir besuchten eine Weiterbildung in Bad Laasphe und warteten auch dort auf Regen.

Im August konnten wir mit Harmut Schubert im Harz eine neue Dimension der Pilz-Welt entdecken: Zielgenau wurden wir zu den interessantesten Pilzen geführt. Seine Begeisterung und sein Wissen waren unbeschreiblich und inspirierend.

Der September bescherte der Natur nun endlich den lang ersehnten Regen. Noch nicht sehr viel, aber genug, um frohgemut in den Wald zu gehen. Beim Seminarabend in Niederzier standen die Riesenschirmlinge auf dem Programm. Es sind fantastische Speisepilze, wenn man die richtigen erwischt und nicht aus Versehen auf Giftriesenschirmlinge beißt.

Die Exkursion im September führte uns an die Wasseraufbereitungsanlage, und das sogar doppelt. Da wir sehr viele Anfragen erhalten hatten, nahmen wir das zum Anlass eine Anfänger- und eine Fortgeschrittenen-Exkursion anzubieten. Beide wurde gut angenommen, und über 90 Arten konnten gefunden werden. Auch die Speisepilzsammler kamen bestens auf ihre Kosten.

Der Oktober war nun endlich der Pilzmonat schlechthin. Das passende Wetter bescherte uns eine überwältigende Vielzahl an Fruchtkörpern, und passend dazu wurde beim Seminarabend das Bestimmen von Pilzen geübt. Es war unglaublich hilfreich, Verwechslungspartner nebeneinander vorliegen zu haben, und jeder hat einen großen Lernzuwachs erfahren können. Sehr hilfreich war auch, dass die tödlich giftigen Pilze gut vertreten waren. Denn dieses Wissen hilft ungemein, eine unbeschwerte Pilzmahlzeit genießen zu können. Einfach toll!!!

Die Exkursion im Oktober führte uns in großer Runde auf die Sophienhöhe. Der Artenreichtum war auch hier unbeschreiblich und viele Giftpilze konnten gezeigt werden. Fast zeitgleich wurden wieder mehrere Vergiftungsfälle mit Knollenblätterpilzen im Krankenhaus behandelt. Der grüne Knollenblätterpilz ist für 90% der tödlich ausgehenden Vergiftungen verantwortlich.

Der erste Frost brachte das Pilzwachstum rasch zum Erliegen. Beim Seminarabend im November standen die Pilzvergleiche auf dem Programm, und wir konnten unser Wissen prüfen.

Frostig war auch die Exkursion am Blausteinsee. Schnellen Schrittes umrundeten wir den gesamten See, und 53 Arten konnten gefunden werden. Es war eine nette Herausforderung, bei den kalten oder gar gefrorenen Fruchtkörpern den Geruch zu erkennen. Trotz der Kälte waren alle hoch motiviert und fröhlich dabei, und ein noch fröhlicherer Pilzcoach lief mit.

Im Dezember hatten wir hohen Besuch beim Seminarabend: Der Weihnachtsmann war zu Gast. Er hatte vorab einen gestrengen Blick auf unsere Chatunterhaltungen geworfen. Was er alles Schönes zu sehen bekam… Wir konnte einen wunderschönen Abend und viel Gemeinsamkeit bei fantastischem Essen erleben.

Schon am nächsten Morgen trafen wir uns am Forsthaus Weiden zur Exkursion. Schattig war es, aber es konnten erstaunlich viele Arten gefunden werden. 51 wurden gezählt.


Vielen Dank an alle, die uns in diesem Jahr begleitet haben. Jedes Seminar und jede Exkursion wurde durch Euch zu etwas Besonderem und bleibt in der Erinnerung! Liebe Grüße auch an alle, die uns nur in Gedanken begleiten konnten. Gerade für Euch soll der Rückblick sein! Bleibt oder werdet wieder gesund, und wir sagen bis bald im Wald! Habt ein friedliches Fest und kommt gut in das neue Jahr!

Robert und Dorothea